Ein Gutshof befindet sich direkt innerhalb eines Dorfes oder am Dorfrand

Der Gutshof – Feudaler und bäuerlicher Großgrundbesitz

Um 1500 entdeckten europäische Adlige und reiche städtische Bauern die Vorzüge des Landlebens und begannen Gutshöfe mit umfassender landwirtschaftlicher Nutzungsfläche zu errichten. Weder der Inhaber noch der Verwalter, der einem solchen landwirtschaftlich Betrieb vorstehen konnte, legten hier selbst Hand an. Vielmehr leiteten und verwalteten sie den Besitz mit Hilfe bäuerlicher Arbeitskräfte. Gleichzeitig war ein Gutshof, zu dem oft auch Forstwirtschaft und entferntere Nebengehöfte (Vorwerke) gehörten, für seinen Besitzer von repräsentativer Bedeutung und zeugte von der Stellung der Besitzerfamilie innerhalb der Gesellschaft. Daher sind vor allem Gutshöfe, die von Adligen errichtet wurden, in einem stilvollen und künstlerischen Ambiente gebaut und zeugen bis heute von der einstigen Pracht vergangener Zeiten, die sich in gotischen, barocken und renaissancistischen Baustilen sowie den jüngeren des Historismus und des Jugendstils widerspiegeln.

Merkmale eines Gutshofes

Charakteristisch für einen Gutshof ist in erster Linie ein großzügig gebautes und herrschaftliches Wohnhaus als Hauptgebäude, zu dem mindestens drei bis vier weitere Scheunen und Stallscheunen als Gebäude hinzukommen, die den Gutshof als Komplex dreiseitig oder vierseitig schließen können. Das Wohngebäude bildet dabei den Mittelpunkt. Das Hauptgebäude wurde unterteilt in Wohnräume für die Besitzerfamilie und besaß mehreren Gästezimmern. Es enthielt des Weiteren ein Büro sowie Wirtschaftsräume und Wohnraum für den Verwalter. Die kleineren Zimmer im obersten Stockwerk waren dem Gesinde als Schlafraum vorbehalten. Bei ehemals feudalen Anwesen ist dem Hauptgebäude, das bei Rittergütern auch als Herrenhaus bezeichnete wird, oftmals eine Parkanlage angeschlossen.

Lage und Vorkommen von Gutshöfen

Ein Gutshof befindet sich entweder direkt innerhalb eines Dorfes oder am Dorfrand. Doch sind die herrschaftlichen Anwesen zumeist in idyllischer Natur inmitten des Landbesitzes isoliert errichtet worden. Nahe der Gutsanlage siedelten sich dann die zur Bewirtschaftung des Gutshofes nötige Arbeiter und Kleinbauern an.
Gutshöfe haben sich in ganz Europa erhalten können. In Deutschland ist ihre Verbreitung in Schleswig-Holstein sowie auf dem Gebiet der ehemaligen DDR bis heute am stärksten, während sie im Süden des Landes eher selten vorzufinden sind.